09. August – 20. September 2008
FOR ENGLISH VERSION, SEE BELOW
Was ist Malerei heute? Wie ändert die zunehmende Digitalisierung unserer Welt den Umgang mit dem Bild? Was geht in diesem Prozess verloren, was bleibt bestehen? Oder ist es sogar möglich zu gewinnen? Diese allgemein formulierten Fragen sind ja längst bekannt. Jeder Künstler und jede Künstlerin jedoch stellen sich diese immer wieder neu und geben zum Thema ihre eigenen Kommentare.
Auch die junge Schweizerin Claudia Zweifel (*1981 in Zürich), die seit 2005 in Berlin arbeitet, hat ihren eigenen Umgang mit der digitalen Malerei entwickelt. Sie nutzt die Möglichkeiten des Photoshops genauso, wie die Generationen der Künstler vor ihr die anderen künstlerischen Techniken und Verfahren nach und nach für sich entdeckt hatten. Bewusst nutzt die Malerin zahlreiche Vorteile des digitalen Mediums für ihre Bilder: die Farben fließen nicht zufällig herunter, die Größen lassen sich nach Bedarf ändern, die Variabilität der Versuche ist beinah unendlich.
Nun zeigt Claudia Zweifel in ihrer ersten Berliner Einzelausstellung »More than undo, sagte er und ich verliebte mich« bei Krammig & Pepper Contemporary die Rauminstallation mit ihren aktuellen Bildern, bei denen es sich ausschließlich um Computermalereien handelt. Kleine und große Stücke, scheinbar willkürlich an verschiedenen Galerieoberflächen zerstreut, fesseln den Blick des Betrachters. Die wieder erkennbaren Gegenstände geben diesen Bildern ihre Titel und bestimmen den Anfang der Betrachtung. Das Gegenständliche löst sich jedoch nach und nach in einzelne farbige Formvariationen, die in ständiger Bewegung innerhalb des Bildes zu sein scheinen. So bewegt sich das Auge des Betrachters durch die einzelnen Schichten hin und zurück und macht sich dabei das »undo-Prinzip« zu Eigen.
Mit der Zeit beginnen sich die Grenzen jedes einzelnen Bildes aufzulösen und das Auge gleitet dann, halb unbewusst, halb vergnügt, von einem Bild zum anderen, kreiert dabei seine eigenen, illusorischen Farb-Form Brücken, seine immer wieder neuen Rauminterpretationen. Inspirierend ist hier eine gewitzt komponierte und deshalb umso reizendere Mischung aus Naivität und Verspieltheit, Vertrautheit und Novum, Zufall und Ordnung, Melancholie und Heiterkeit. Das Eine bedingt das Andere. Das Resultat dieses Zusammenspiels gibt entscheidenden Ansporn für die Einbildungskraft, löst eine endlose Assoziationskette aus. Farben, Formen und Schichten fügen sich, ähnlich wie Buchstaben, Worte und Sätze, in zahlreiche, assoziativ- und stimmungsbedingte Kombinationen zusammen, die unsere Kreativität entfesseln.
----------------------------------------------------------------
ENGLISH VERSION:
What is the meaning of painting today? How has it changed by the increasing digitalization? What is gained and what is left behind during the melting of painting and digitalization? Is it even possible to develop one selves?
These general questions are known so far. But every artist is posing this very question again and again. Finally they argue differently.
Also the young artist Claudia Zweifel (* 1981 Zurich) working in Berlin since 2005 has developed an own exposure to the digital painting. She utilizes the possibilities of »photo shop« just as the former generations of artists have discovered little by little the utilization of other artistic methods for themselves.
The painter uses deliberately the numerous vantages of the digital medium for her paintings: the colors do not flow into each other by chance, the variables can be changed as necessary and the variability is almost never ending.
Now she shows the »space installation« with her new paintings which are all made by digital painting in her first own exhibition named »More than undo, sagte er und ich verliebte mich« by Krammig & Pepper Contemporary in Berlin. Small and big pieces which are spread apparently arbitrarily on the surfaces of the gallery grab the viewer’s attention. The beginning of the point of view is defined by the recognizable objects giving the paintings their names. The objective dissociates little by little in several colored variations of forms which seem to be in motion all the time in the painting. So the viewer’s eye moves from layer to layer and thereby adopts the »undo-principle«.
Piece by piece the constraints of every painting dissolve, thereby the viewer's eye glides deliberately and joyful at the same time from painting to painting creating its own illusive »color-form-bridges« and its own »space interpretation«.
Furthermore the shrewd composed mixture of naivety and playfulness, intimacy and novelty, coincidence and order, melancholia and joviality makes the exhibition inspiring and attractive.
The results of this interactions are the important motivation for one's own imagination and the releasing of a never ending chain of associations. Colors, shapes and layers are connected like letters, words and phrases to numerous associative and moody combinations which fascinate our creativity.