»The spirits I have called«

22. November - 20. Dezember 2008



In jedem Menschen steckt bereits die ganze Welt. Nur wer in sich hineinzuschauen wagt, bekommt die Chance, die Welt und die Menschen um sich herum zu begreifen. Dabei gibt es viele Arten, das eigene Ich zu ergründen. Und jeder wählt seinen individuellen Weg der Selbsterkenntnis.

Mara Wagenführ (*1976 in Mülheim/Ruhr), eine junge Berliner Malerin, tut es mit Hilfe der Kunst. Für sie sind die eigenen Erfahrungen und Befindlichkeiten primär wie ausschlaggebend in ihrer Auseinandersetzung mit den essentiellen Fragen und existentiellen Problemen des Lebens. Ihr künstlerisches Werk ist eine akribische Analyse, die mit dem Persönlichen, ja sogar Intimen beginnt und dann ins Allgemeine übergeht.

Auf jedem Bild ist die Künstlerin selbst zu sehen. Und jede dieser Selbstdarstellungen verrät uns eine Facette von ihrer komplexen und widerspruchsvollen inneren Welt. Es sind ihre persönlichen Erlebnisse aller Art: kleine Alltagsepisoden, Stimmungen, Phantasien, Träume.

Sicher und ungeniert, dabei jedoch äußerst feinfühlig kehrt Mara Wagenführ ihr Inneres nach außen. Manchmal symbolisch, manchmal sogar buchstäblich. Die Geister, die in ihr leben und deren Kampf sie sich ausgesetzt fühlt, werden in ihrer Bilderwelt real, ja körperhaft. Diese Inkarnationen ihrer Phantasie vermischen sich auf den Leinwänden mit der Realität ihres Alltags. Sie umgarnen die zarte Gestalt der Künstlerin, wachsen aus ihr heraus, flattern um sie herum, tauchen überall auf, in der Luft, als Muster ihrer Kleider, als Schmuck, lauern in den Ecken. Als Tiergestalten, Totenköpfe, Schädlinge, Innereien etc. Alles Symbole, die letztendlich für uns alle gelten: Einhorn, seit Jahrhunderten Sinnbild des Guten, Schönen, Reinen; Hyäne, der Inbegriff des Bösen. Immer wieder sehen wir die gleichen inneren Organe: Herz, Gehirn, Nieren, Eierstöcke. Jedes Organ ist für eine der wichtigsten Funktionen des Menschen zuständig. Seinen Geist, seine Seele, seinen Körper. Und die zahlreichen Totenköpfe - als Vanitas, als memento mori - weisen auf eine jahrhundertlange christliche Tradition, mit ihrer Zuspitzung im Totenkult einiger lateinamerikanischen Länder – eine bedeutende Inspirationsquelle der Künstlerin, die sich gerne in Mexiko aufhielt.

Auch technisch sind die Arbeiten von Mara als Hybride erkennbar. Durch die zarten Ölzeichnungen schimmern hier und dort die nicht grundierten Leinwände durch, in die diverse Stoffe eingearbeitet sind. Sie sind mit bunten Fäden, Pailletten, Spielzeugfigürchen reich bestickt. In den Spruchbändern sind die Titel der Bilder gestickt, die zugleich die Titel oder Zeilen aus Maras Lieblingssongs sind und uns somit eine weitere wichtige Inspirationsquelle der Künstlerin verraten. Diese Vielfalt wirkt jedoch äußerst einheitlich und organisch und schafft die Bilder von großer Anmut und Harmonie, in denen sich Heiterkeit, Sehnsucht und Melancholie vermischen.





 

 

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